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10 Tipps für perfektes Composing

Gut gemachte Composings sind aus unserer digitalen Welt nicht mehr wegzudenken. Besonders in der Werbeindustrie wird immer häufiger auf Fotomontagen gesetzt: Models oder Produkte werden – vom Hintergrund unabhängig – im Studio fotografiert und anschließend in Photoshop durch passende Texturen und Hintergründe ergänzt. Darüber hinaus lassen sich aber auch vollkommen abstruse, surreale Szenerien, wie aus einem Film, erstellen.
Egal ob wirklichkeitsnah oder -fremd, gut gemachte Composings kommen als harmonisches Gesamtwerk daher und lassen die Arbeit nicht erkennen. Während der Konzeption werden deshalb wesentliche Bildelemente, Licht- und Farbstimmung, Perspektive und Tiefenschärfe so gewählt, dass sie später eine Symbiose eingehen.
Auf Instagram habe ich euch gefragt, ob ihr euch ein Tutorial zu meinem Composing wünscht. Da es neben der reinen Bearbeitung auch noch andere Dinge zu beachten gilt, habe ich in diesem Beitrag 10 Tipps zusammengefasst, die es euch erleichtern sollen, einzelne Bildkomponenten realistisch zu verknüpfen und somit euer eigenes Composing zu erschaffen.




01. Vorbereitung und Planung
Eine gute Vorbereitung ist bei Bildmontagen bereits die halbe Miete. Jeder, der schonmal eifrig drauf los basteln wollte, hat vielleicht spätestens in Photoshop gemerkt, dass die gewählten Bilder in Kombination weniger zueinander passen, als man ursprünglich gedacht hat. Erfahrungsgemäß ist es daher immer sinnvoller, sich vor dem Composing zu überlegen, wie das Gesamtwerk eigentlich aussehen soll: Wurden sich Gedanken zum Bildaufbau gemacht? Welche Stimmung soll erzeugt werden? Aus welchen Elementen setzt sich das Compsing zusammen? Schnelle Skizzen und kurze Stichpunkte wirken hier Wunder, denn so verlierst man sein Ziel nicht aus den Augen.

02. Gutes Ausgangsmaterial
Wie bei jeder Art der Bildbearbeitung gilt auch hier: Je besser das Ausgangsmaterial, desto schöner das Ergebnis. Hochauflösende Materialien sind für eine saubere und hochwertige Verarbeitung deshalb unabdingbar. Am vorteilhaftesten ist es, eigenes Bildmaterial zu verwenden, da man so die volle Kontrolle über Brennweite, Perspektive und Lichtverhältnisse hat. Das begünstigt nicht nur ein harmonisches Endergebnis, sondern reduziert auch die Postproduction erheblich.

03. Die Perspektive muss stimmen
Die gleiche Perspektive ist unentbehrlich, wenn es um die Grundvoraussetzungen für real wirkende Composings geht. Auch, wenn man mit Photoshop einiges – sprichwörtlich – hinbiegen kann, ist es unmöglich, Bildmaterial, welches aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen wurde, zu kombinieren. Um es drastisch zu formulieren: Ein Motiv, welches von links unten fotografiert wurde, wird niemals mit einem Motiv harmonieren, welches von rechts oben aufgenommen wurde. Deshalb sollte sich bei der Wahl des Materials immer ein Augenmerk auf die Perspektive konzentrieren.

04. Licht und Schatten müssen zusammenpassen
Ein Bild, das in der gleißenden Mittagssonne aufgenommen wurde, wird sich immer von einem Foto unterscheiden, welches an einem trüben Regentag oder bei Sonnenaufgang geschossen wurde. Versucht man dennoch dieses Bildmaterial zu kombinieren, wird man ziemlich schnell an seine Grenzen stoßen, da es nicht harmoniert. Selbiges gilt übrigens für unterschiedliche Lichtquellen: Kommt das Licht von rechts, ist es unmöglich ein Motiv zu kombinieren, welches von oben beleuchtet wird. Wenn man sich mit Photoshop auskennt, kann man in der Postproduction zwar Schatten und Lichtreflexe verändern oder ergänzen, allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass es in den meisten Fällen sehr künstlich wirkt und selbst ein ungeschultes Auge erkennt, dass der Lichtfall nicht demselben Winkel entstammt. Für den eigenen Bildlook ist es deshalb nie verkehrt, vorab zu recherchieren und zu untersuchen, wie sich Licht und Schatten (aber auch die Farbgebung!) bei Nacht, bei Sonnenuntergang, am Fenster, in der Tiefgarage, am Strand,… verändern.

05. Schärfentiefe
Aus meiner Sicht ist es nicht unbedingt empfehlenswert, Bildmaterial mit großer Schärfentiefe zu verwenden. Zum einem erschwert man sich so die Arbeit unnötig, da es um einiges komplizierter ist, Fremdmaterial zu finden, dass die gleiche Schärfentiefe aufweist, zum anderen erzielt man in Photoshop nur selten befriedigende Ergebnisse, da das kombinierte Bildmaterial hinsichtlich Schärfe/Unschärfe nicht so richtig zusammenpassen will.

06. Saubere Freistellung
Freistellungstechniken gibt es wie Sand am Meer und dennoch entkommt man nur selten der manuellen Bearbeitung mit Masken und Pinseln. Wer aber genau und sauber freistellt, wird schon zu Beginn der Montage überraschende Ergebnisse erzielen und der Illusion unterliegen, dass die montierten Bilder natürlicherweise zusammen gehören. Auch, wenn dieser Schritt einer ruhigen Hand und akribischer Detailarbeit bedarf, werden eure Geduld und Ausdauer am Ende mit dem bestmöglichen Ergebnis belohnt. Wer hier nachlässig arbeitet, wird unter Umständen beim zusammenfügen des Materials mit ungewollten Bildfragmenten bestraft, die nicht Teil des Composings sein sollten.

07. Rechtliches
Bei der Verwendung von Fremdmaterial (z.B. Texturen, Hintergründe und andere Bildelemente) gilt zu beachten, dass dieses dem Urheberrecht unterliegt. Ich möchte euch an dieser Stelle deshalb ausdrücklich davon abraten, willkürlich Material über die Google Bildersuche zu beziehen, wenn nicht einwandfrei geklärt ist, in wie weit euch Nutzungsrechte an den entsprechenden Materialien einräumt werden (im Zweifelsfall lieber nachfragen!). Aus diesem Grund empfehle ich euch, eure Bildkomponenten aus einer Quelle zu beziehen, die euch sämtliche Nutzungsrechte an den Fotos einräumt. Zu meinen persönlichen Favoriten gehören unter anderem Unsplash, Pexels und Freepik.

08. Finaler Bildlook
Auch wenn sich während der Bildzusammenführung individuelle Farbanpassungen nicht vermeiden lassen, komplettiert ein passender Bildlook das Composing und lässt alle Elemente zu einer homogenen Einheit verschmelzen. Was bisher noch nicht richtig stimmig wirkte, wird nun mit den letzten Pinselstrichen überblendet, sodass das finale Werk wie aus einem Guss wirkt. Ein gut gewählter Bildlook beeinflusst nicht nur die Gesamtwirkung, sondern maximiert auch maßgeblich die Qualität und trägt zur Harmonie eines Composings bei.

09. Trial and Error
Composing ist zwar kein Hexenwerk, aber es erfordert ein tiefes Verständnis für Fotografie und Retusche. Wer jedoch am Ball bleibt, hat schon sehr bald den Dreh raus, mit welchen Arbeitsschritten man zu dem gewünschten Ergebnis kommt. Üben und Ausprobieren bringen hier den größten Lernerfolg. Es ist nämlich noch kein Meister vom Himmel gefallen…

10. Grafiktablett
Wer bereits an die Vorzüge eines solchen Geräts gewöhnt ist, sollte es auch unbedingt bei der Bearbeitung von Composings heranziehen. Damit lässt es sich nicht nur schneller und detaillierter, sondern auch wesentlich natürlicher arbeiten. Ein Grafiktablett ist aber definitiv kein Muss. Ich habe meine Ziele bisher auch immer mit Touchpad und/oder Maus erreicht, weil ich mich mit der Handhabung nicht so recht anfreunden konnte.

Um euch den Einstieg in die Thematik zu erleichtern, habe ich meinen Workflow für euch in einem YouTube Video dokumentiert. So fällt es euch leichter, die Arbeitsschritte zu durchschauen und möglicherweise eignet ihr euch so neue Techniken und Wege an, produktiv mit Photoshop zu arbeiten.
Wer sich selbst ausprobieren und die Idee nachbauen möchte, kann sich hier die Materialien runterladen, die ich für mein Composing verwendet habe: Neben einem Foto von euch vor einem (möglichst großem) Fenster benötigt ihr noch das Foto des Empire State Buildings, die rosa Wolken, den Mond, die Reflektionen für die Glasscheibe (die Datei hatte ich auf meiner Festplatte gespeichert) und natürlich Photoshop. Wer das Programm nicht hat, kann sich bei Adobe kostenlos die 7-Tage-Testversion herunterladen.
Wer sein Werk mit mir teilen und/oder Feedback haben möchte, darf mich gerne auf seinem Bild markieren oder es mit dem Hashtag #sabrinajolan versehen. Ich bin schon sehr gespannt und wünsche euch viel Spaß beim experimentieren!

5 Comments
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11. September 2018 um 09:24 hallo liebes ! ich wollte dir nur mal sagen das du unglaublich talentiert bist ! habe mir deinen blogpost komplett durchgelesen und auch dein video auf youtube angesehen . leider habe ich kein photoshop aber vielleicht lade ich mir mal zum testen das programm runter um deine anleitung auszuprobieren ! hab noch einen schönen tag !
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11. September 2018 um 12:16 So, ich hab jetzt gar nicht mehr lang überlegt und mich direkt zu deinem YouTube Kanal rüber geklickt und das Video geschaut 🙂 Und ich freu mich schon total drauf selbst loszulegen! Ich hab zwar ein riesiges Fotobuch in dem alles genau erklärt ist, aber ich weiß genau, dass ich mich da nicht dahinterklemme, wenn ich nicht nen Ansporn hab. Dein Tutorial bietet sich da gerade an und ich erhoffe mir, dass ich danach endlich mal ach sowas Tolles (er)schaffen kann! 🙂

Liebe Grüße,
Anna Lena
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11. September 2018 um 17:28 Ich bin auch super froh, dass ich dich auf Insta entdeckt habe. Ich hab' zwar schon seit eigentlich immer eine Kamera und auch immer damit rum geknipst, aber leider nie mehr. Ein paar Dinge sind mir schon auch bekannt, aber wie man seine Fotos so toll bearbeiten kann ist mir noch immer schleierhaft. Im Moment versuche ich aber hinter das Geheimnis "Bildbearbeitung" zu steigen. Von daher kommt dein Post gerade zur rechten Zeit :o)

Danke für die Erklärungen und Tipps!
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11. September 2018 um 17:59 Toller Post, ich erkenne da viele Parallelen zu meiner eigene Herangehensweise. Und ich mag den Inhalt Deines Videos!
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15. September 2018 um 14:50 Ich habe mich mit dem Composing noch gar nicht so weit auseinander gesetzt, aber ich fand deine Tipps und Informationen total interessant :) Hat mich irgendwie motiviert, das auch mal auszuprobieren!
Ganz liebe Grüße
Lara

www.verylara.com
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